Wenn sich fünf Top-Bands zu einem Final treffen, wird das zu einer Angelegenheit auf hohem Niveau. Und genau so war es am Mittwochabend im Ustermer Qbus, als die Finalisten aus der Acoustic-Song-Contest-Reihe zum Showdown antraten. (Renato Bagattini)
Der Sieger stand schon vor dem Finale fest: in den Augen des Publikums wenigstens war das so. «Er & i» seien eindeutig die Favoriten. Nein, nein, Dividing Line werden es machen, wetten? Andere warben für ihre Fans aus Wetzikon und tippten auf Politon und es gab da auch noch die Fans von Deep Trip und Squizophrenia. Sie alle wussten es, ihre Favoriten würden siegen. Wer denn sonst?
Qualität brachten alle auf die Bühne
Doch Wunsch und Realität vertragen sich oft nicht und so prasselt manchmal die ganze Härte einer ausgezählten Abstimmungsurne unvermutet auf einen nieder. Na ja, aber auch das wird man überleben. Schliesslich ist das Leben ein einziger Kampf und eine Niederlage längst nicht ein verlorener Krieg. Und schliesslich war es eine freiwillige Sache, sich dem Wettbewerb zu stellen.
Das werden sich die beiden Musiker von «Er & i» möglicherweise auch gesagt haben, denn auf der finalen Rangliste tauchen sie ebenso wenig auf, wie die Wetziker Formation Politon: Rang vier oder fünf also. An der Qualität der beiden Finalisten kann es wohl kaum gelegen haben, reüssierten sie doch in den Vorläufen souverän und überzeugten damals auf der ganzen Linie. Vor allem „Er & i“, die beiden singenden Richter (!) aus dem fürstenländischen Flawil hätten sicherlich mehr verdient. Manche aber haben es schon in der Pause gewusst: Zu anspruchsvoll seien die Beiden gewesen. Man habe das Abgründige nicht verstanden. Es gäbe halt schon zu viele Musiker von dieser Sorte und erst noch bessere.
Wenige Stimmen machten den Unterschied aus
Würde die Theorie, dass die grösste Band die meisten Fans mitbringen und damit siegen würde, stimmen, so wären die Ustermer Latin-Ska-Rocker von Squizophrenia die eindeutigen Abräumer des Abends gewesen. Dass das Oktett schliesslich mit seinem treibenden Sound, einer Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen und einer grossen Prise SKA mit 58 Stimmen nur auf dem dritten Platz landete, ist vielleicht auch dem Zufall zuzuschreiben. Vier Stimmen mehr, dann hätte der zweite, mit sieben Stimmen mehr der erste Platz herausgeschaut.
Das Kopf-an-Kopf-Rennen fand schliesslich zwischen den Herisauer Happy-Dark-Rockern (with a touch of Gothic) von Dividing Line und den Schmelzrockern von Deep Trip, die aus Zürich angereist waren, statt. Galten die gotischen Schwarzmänner als leichte Favoriten – nicht nur ihr Frontmann und Sänger Reto Frischknecht überzeugte als ausgebildeter Sänger auf der ganzen Linie – so ist der Sieg von Deep Trip eine ganz leichte Überraschung. Mit ihrem eher schwermütigen Rock, der mit einem opulenten Streicherteppich (Geige, Cello und Kontrabass) belebt wird, sprachen sie offensichtlich die meisten Leute im Qbus an.
Stadt Uster fünfter Verlierer
Das Verdikt gibt den Musikern aus Zürich nun die Chance, an diversen Orten auftreten zu dürfen. Am kommenden Love Ride Switzerland beispielsweise, werden sie für einen der musikalischen Höhepunkte sorgen. Und die kommenden Höhepunkte eines Acoustic-Abends werden zukünftig nicht mehr im Qbus, sondern im Scala in Wetzikon zu erleben sein. Die Stadt Uster, und die ist der fünfte Verlierer des Abends, ist um eine kulturelle Veranstaltung ärmer geworden.